12 Februar 2012

Angriff auf Buchta - Luxusbolide im Dienst / Quelle Kurier

Privilegienritter: Mit Luxusboliden im Dienst

Listenpreis 96.843 Euro: Wie der Präsident des Bundesfeuerwehrverbandes zu seinem Luxus-BMW gekommen ist.


Der Chef in Erklärungsnot: Feuerwehrkommandant Buchta

Josef Buchta, 64, hat in seinem Leben schon viele Feuer gelöscht. Er ist dafür auch vielfach geehrt und ausgezeichnet worden. Doch dieser eine Brand, der da seit Wochen unter der Oberfläche schwelt, lässt sich auch vom obersten Feuerwehrmann des Landes nicht mehr unter Kontrolle bringen. Die Brennstoffe sind aber auch außergewöhnlich: Verdacht auf Untreue und Amtsmissbrauch.

Es geht konkret um die Anschaffung von Dienstwägen, um möglichen Fördermissbrauch. Denn Buchta, Landesfeuerwehrkommandant von Niederösterreich, Präsident des Bundesfeuerwehrverbandes, pilotierte bis Jänner einen BMW 530 Grand Touring. Listenpreis: 96.843,04 Euro. Alleine die Sonderausstattung des in sophistograumetallic lackierten Luxusautos belief sich auf satte 32.333 Euro, aktiv belüftete Leder-Komfortsitze in Dakota-Elfenbeinweiß inklusive.

Nur zur Verdeutlichung: Während ein ganzes Land auf die Schuldenbremse steigen muss, leistet sich ein Funktionär einen Luxusschlitten samt Bremsassistenten, der selbst Regierungschefs vor Neid erblassen ließe. Mehr noch: In Niederösterreich werden nunmehr auch die Bezirksfeuerwehrkommandanten mit insgesamt zwanzig feinen BMW des Typs X3 beglückt, in anderen Bundesländern gönnen sich Kommandanten mitunter ähnlichen Luxus´. Offiziell argumentiert wird diese Beschaffungspraxis mit einem „tollen Preis-Leistungs-Verhältnis“.

Josef Buchta hat, aufgeschreckt durch die KURIER-Recherchen, eigens seinen Skiurlaub abgebrochen. Doch statt aufzuklären, verstrickt er sich in Widersprüche, gerät ins Stottern, tischt im Minutentakt neue, noch verwirrendere Versionen auf.
Der Autotausch

Version 1 lautet: Er habe im Jänner besagten Luxus-BMW (Listenpreis: 96.843,04 Euro) gegen einen Neuwagen des selben Modells getauscht. Das alte Fahrzeug sei ein Dienstwagen gewesen, das neue nunmehr ein Privatwagen. Der Grund für den Tausch nach zwölf Monaten? Buchta: „Ich habe bei 130 km/h ein Reh abgeschossen. Alle Airbags sind aufgegangen. Brauch’ ich Ihnen nicht mehr sagen, wie das Auto ausgesehen hat.... Ich fahre im Jahr zwischen 95.000 und 120.000 Kilometer. Da ist mir meine Sicherheit sehr wichtig.“

Peinlich für den Florianijünger: KURIER-Recherchen belegen eindeutig, dass Buchtas Bolide im Jänner 2012 – also nach einem Jahr im Dienste des Kommandanten – lediglich 27.000 Kilometer auf dem Tacho hatte. Noch peinlicher für Buchta: Der Händler hat das angeblich so havarierte Fahrzeug, laut Buchta nach der Reh-Kollision fast „ein Totalschaden“, nach der Rückgabe im Jänner um 72.000 Euro zum Verkauf feilgeboten. Der Haken an dieser Version: Unabhängige ÖAMTC-Experten konnten an dem BMW beim besten Willen keinen Mangel aufgrund eines ernsthaften Wildschadens feststellen. Der Wagen sei tipptopp. Warum also hat Buchta den Boliden dann gegen eine Neuwagen eingetauscht?
Der 48-Prozent-Rabatt

Der Feuerwehr-Präsident präsentiert nun Version 2: Er habe den ersten BMW, den mit dem angeblich so massiven Wildschaden, den er zuerst noch als Dienstwagen tituliert hatte, privat finanziert, jedoch auf das Feuerwehrkommando angemeldet.

Warum das? Der Mistelbacher sagt, er wollte einerseits Versicherung sparen, andererseits den Behördenrabatt nutzen, wie er nun zugibt. „Sonst bekommt man den Rabatt ja nicht.“

Der Rabatt? Laut Buchta „48 Prozent“. Das heißt also für den brandheißen Kommandanten-BMW: Knapp 50.000 Euro Preisnachlass. Dieses Vorgehen wirft neue Fragen auf: Darf ein ehrenamtlicher Funktionär einen Rabatt, der nur für Fahrzeuge der öffentlichen Hand gewährt wird, für private Zwecke benutzen, um sich einen für Normalbürger niemals möglichen Preisnachlass zu sichern? Buchta: „Offiziell bekommt man den Rabatt ja nicht. Wir haben den Behördenrabatt natürlich ausgenützt, das ist klar.“

Im Klartext: Wenn stimmt, was Buchta nunmehr eingesteht, dann hat er seinen Luxus-BMW zwar privat finanziert, sich aber unter dem Deckmantel der ehrenamtlichen Feuerwehr den sagenhaften Rabatt von 48 Prozent erschlichen. Den Betrieb des Fahrzeuges finanziere er übrigens aus seiner Aufwandsentschädigung, betont der Löschexperte. Doch eine brennende Frage bleibt: Wenn Buchta den havarierten BMW im Jänner ohne Aufzahlung gegen einen Neuwagen eingetauscht hat, wer kassiert dann den Gewinn? Wer streift die Differenz von rund 20.000 Euro ein? Buchta gerät endgültig in Erklärungsnot: „Puh...da kann ich nicht mitreden. Ich habe nichts bekommen.“

Wie dem auch sei: Bundesfeuerwehrboss Buchta verhehlt erst gar nicht, dass er mit dem Sonderklassewagen aus bestem bayrischen Haus in einigen Monaten in den Ruhestand gleiten wird: „Ich habe mir gedacht, das Auto nehme ich mir mit in die Pension. Da schaut man halt, dass man was kriegt.“

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Der „arme Hund“

Dann entfacht ausgerechnet der oberste Löschmeister des Landes noch einen kleinen Flächenbrand: „Nehmen Sie zur Kenntnis: Ich bin der größte Landesverband. Da gibt es Landeskommandanten, die fahren andere Autos als ich, wenn ich ans Burgenland, Kärnten oder Tirol denke. Im Vergleich zu denen bin ich eh ein armer Hund.
Nachgefragt: „Haben den Rabatt ausgenützt“

Feuerwehrchef Josef Buchta im Gespräch.

KURIER: Der Luxus-BMW, war das nun ein Privatauto oder ein Dienstauto?

Josef Buchta: Das war ein Kommandoauto. Nach dem Unfall habe ich es eingetauscht. Ich hab’ mir gedacht, jetzt nehme ich ein eigenes Auto. In einem Jahr bin ich 65, ich bin nicht mehr lange im Amt. Ich bin schon angerufen worden von anderen Kommandanten, weil die nervös sind.

Ihr BMW hatte 32.000 Euro Sonderausstattung....

Man versucht den Rabatt zu bekommen, den man sonst nicht bekommt.

Wer hat den Kaufvertrag für den BMW abgeschlossen?

Das war der Landesfeuerwehrverband. Offiziell bekommt man den Behördenrabatt ja nicht. Alles das, was ich sage, dürfte ich nicht sagen. Es gibt einen eigenen Vertrag zwischen dem Feuerwehrverband und mir. Wir haben den Rabatt natürlich ausgenützt. Der Rabatt macht 48 Prozent aus.